Wir beschäftigen uns seit einiger Zeit mit der Frage,
wie sich Personen in Gebäuden im Falle eines Anschlages mit luftgetragenen
biologischen oder chemischen Kampfstoffen schützen können. Alle
gefährdeten Gebäude sollten für den Anschlagsfall ein speziell
für dieses Gebäude erstelltes Sicherheitskonzept besitzen (siehe
Link am Ende dieser Seite), das die zu ergreifenden Maßnahmen im Detail
beschreibt. Die folgende Anleitung für Gebäude ohne Sicherheitskonzept
kann nur als ein erster Versuch angesehen werden, die Folgen eines Anschlages
durch reduzierte Ausbreitung der Kampfstoffe möglichst gering zu halten.
Ein spezielles Sicherheitskonzept kann dadurch nicht ersetzt werden!
Im Falle eines Terroranschlages, bei denen die Kampfstoffe in die Atemluft
eingebracht werden, folgen die Kampfstoffe den Luftströmungen. Luft
strömt jeweils von Bereichen höheren Druckes in solche Bereiche
mit niedrigerem Druck. Druckunterschiede im Gebäude werden durch Windkräfte,
thermische Auftriebskräfte und lüftungstechnische Anlagen verursacht.
Die Druckunterschiede und die Durchlässigkeit, die durch geöffnete
oder geschlossene Fenster und Türen, durch Luftschächte, aber
auch Risse und Spalten in den Wänden gegeben ist, bestimmen Richtung
und Größe des Luftstromes - und damit auch Richtung und Größe
der Kampfstoffmenge. Im Falle eines Anschlages gilt es also, die Durchlässigkeit
zu minimieren und wenn möglich, die Druckunterschiede zu verringern.
Durchlässigkeiten lassen sich bereits durch das Schließen von
Fenstern und Türen erheblich verringern. Im Gefahrenfall können
darüber hinaus die Fugen von Fenstern und Türen, gegebenenfalls
auch solche zwischen dem Fensterrahmen und dem Mauerwerk, mit Klebeband
versiegelt werden. Das gilt besonders auch für Innentüren, die
sehr viel durchlässiger als Außenbauteile sind. Wichtig ist,
dass diese Abdichtungsmaßnahmen bei Gebäuden ohne Lüftungsanlagen
keinesfalls über längere Zeit aufrecht erhalten werden dürfen,
da dadurch die Lüftungsfunktion erheblich eingeschränkt wird.
Räume mit offenen Feuerstätten dürfen auf keinen Fall abgedichtet
werden.
Die Druckverteilung in Gebäuden mit Lüftungs- und Klimaanlagen
wird meist durch die Anlagen selbst bestimmt. Wenn die Einzelheiten der
Druckverteilung nicht bekannt sind, ist es ratsam, die Anlage im Falle eines
Anschlages abzuschalten. Dies gilt besonders für Abluftanlagen außerhalb
des bereits kontaminierten Bereichs. Kanalnetze auch abgeschalteter Anlagen
stellen hohe Durchlässigkeiten zwischen unterschiedlichen Bereichen
dar. Deshalb kann es notwendig werden, Luftdurchlässe, ähnlich
wie Fugen von Fenstern und Türen, luftdicht mit Klebeband zu verschliessen.
Druckunterschiede innerhalb mehrgeschossiger Gebäude lassen sich bei
kalter Außentemperatur dadurch verringern, dass die vertikalen Verbindungen
innerhalb des Gebäudes (z.B. Treppenhäuser) wenn möglich
kühl gehalten werden. Treppenhäuser sollten nicht beheizt werden.
Die Gefahr von Giftgasen oder biologischen Kampfstoffen kann entweder von
Außen oder Innen erfolgen. In beiden Fällen ist es wichtig, die
Ausbreitung innerhalb des Gebäudes zu verhindern oder wenigstens zu
mindern. Deshalb kommt in beiden Fällen der "Abschottung",
also dem Aufbau zusätzlicher Strömungswiderstände, große
Bedeutung zu. Aus diesem Grund sollten auch die Feuerschutztüren auf
Korridoren geschlossen werden.
Übrigens, die augenblickliche Luftströmungsrichtung am Aufenthaltsort im Gebäude kann, z.B. mit Rauch, sichtbar gemacht werden.
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Prof. Dr.-Ing. Helmut E. Feustel
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Diese Seite wurde von hef am 25. August 2005 geändert